Defibrillatoren in OSM

Posted by bigbug21 on 26 August 2026 in German (Deutsch).

Ein Zeitungsbeitrag zu einem neuen Defibrillator machte vor ein paar Monaten auf eine für mich erschreckende Tatsache aufmerksam: Weder für Gesamtdeutschland noch für viele Regionen gibt es eine auch nur einigermaßen vollständige Datenbank bzw. Karte zu Defibrillatoren. Keine ist wirklich umfassend erschlossen, keine bringt auch nur annähernd alle wünschenswerten Funktionen mit.

Allein für den hiesigen Landkreis, Roth (bei Nürnberg), gab bzw. gibt es mindestens fünf verschiedene Dienste: Neben großen Karten wie Defi-Kataster, Defi-Map und Björn-Steiger-Stiftung sowie OSM betreiben auch der Landkreis und verschiedene Kommunen eigene Karten.

Gleichzeitig ist es eine bittere Tatsache, dass nur etwa jeder zehnte Betroffene eines plötzlichen Herzstillstandes diesen außerhalb einer Klinik auch überlebt, wie zuletzt auch eine Pressemitteilung des Deutschen Reanimationsregisters einmal mehr unterstrich. Ein großer Teil der Menschen stirbt unerkannt (etwa im Schlaf oder allein zu Hause). Und in vielen weiteren Fällen stehen nicht ausreichend motivierte und fähige Ersthelfer zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Herzdruckmassage zu leisten, wie auch Rettungssanitäter in Gesprächen unisono berichten. In all diesen Fällen hilft auch kein Defibrillator.

Und doch: In ungefähr jedem fünften Fall klappt jemand mit Herzstillstand in der Öffentlichkeit zusammen und beginnen ein oder zwei Personen schnell mit Herzdruckmassage. Ein dritter, vierter, fünfter … Helfer könnte ausschwärmen, um einen Defibrillator herbeizuschaffen, um das Herz in gewisser Weise zu resetten und die Überlebenswahrscheinlichkeit damit deutlich zu steigern. Eine Studie zum Frankfurter Flughafen, wo viele Menschen, potenzielle Ersthelfer und Defibrillatoren zusammenkommen, zeigt eine Überlebensrate von merklich über 50 Prozent. (Wobei freilich in diesem Umfeld ein Herzstillstand kaum unerkannt bleiben wird und auch Menschen mit an sich schlechter Prognose, beispielsweise aufgrund massiver Vorerkrankungen oder hohen Alters, hier sicher unterrepräsentiert sind.)

Von einigen lokalen und regionalen Beispielen abgesehen, liefert keine der großen Datenbanken bzw. Karten in Deutschland – auch nicht OSM – ein auch nur annähernd vollständiges und aktuelles Bild, wo sich die nächsten Defis befinden und ob diese zugänglich sind. Und wer als Helfer beispielsweise Google befragt, bekommt in der Regel eine unvollständige und zum Teil falsche Antwort. (Selbst Google nutzt selbst auf Nachfrage die in OSM vorhandenen Daten nicht.) Dazu kommen auch noch allerlei Begleitprobleme, etwa die schlechte Auffindbarkeit/Kennzeichnung vieler Geräte oder zeitlich stark eingeschränkte Zugänglichkeiten.

Das Fehlen einer einigermaßen koordinierten, nationalen Datenbank nehme ich, wie so vieles in unserem Land, als ziemliches Wursteln wahr, das offensichtlich Jahr für Jahr Menschenleben in merklicher Zahl kostet. Anstatt es einmal koordiniert “richtig” zu machen, wird mit gutem Willen, aber eben recht unkoordiniert nebeneinander her gearbeitet. Es würde mich nicht wundern, wenn wir allein aufgrund unzureichender Defi-Daten – im Internet, in den Datenbanken, in den Leitstellen – jedes Jahr in Deutschland Menschen im hohen drei- bis niedrigen vierstelligen Bereich verlieren oder es zu unnötig schweren Folgeschäden kommt.

Diese Gedanken lassen mir seit einem Vierteljahr keine Ruhe. Anhand von Recherchen in den anderen Datenbanken, im Internet, sozialen Medien und weiteren Hinweisen ist inzwischen ein großer Teil der bekannten Defis im hiesigen Landkreis erfasst. Die Defibrillator-Seite im OSM-Wiki wurde umfassend überarbeitet und wird weiter ergänzt. Dazu kommen noch ganz grundlegende Themen: etwa Gespräche mit den anderen großen Anbietern, ob nicht ein teilautomatisierter Abgleich möglich wäre oder grundlegende Überlegungen, um beispielsweise der Google-KI auf die Sprünge zu helfen.

Ich hoffe, dass all dies ein paar Beiträge zur Lösung der grundlegenden Probleme leistet. Neben der Auffindbarkeit hoffe ich, dass die durch die Daten bzw. Karte geschaffene Transparenz auch einige grundlegende Diskussionen vor Ort in Gang setzt: Wäre es beispielsweise in der Kreisstadt Roth nicht sinnvoller, statt mehrerer jeweils stark eingeschränkt zugänglicher Defis im Abstand von wenigen hundert Meter (Beispiel 1, Beispiel 2), diese besser zu verteilen und dabei auch rund um die Uhr zugänglich zu machen sowie deutlicher auszuschildern? Zumal viele dieser Geräte von ein und derselben öffentlichen Hand bzw. Stadtverwaltung finanziert werden?

Laut Tagwatch sind allein für Deutschland in OSM nunmehr rund 20.000 Defibrillatoren erfasst. Die Datenbank ist damit in gewisser Weise der zweitgrößte Anbieter für Deutschland. Der Bestand wächst exponentiell, mit inzwischen über 500 neuen Einträgen pro Monat. Erste Landkreise, Kommunen und auch Rettungsleitstellen nutzen die Daten. Der Landkreis Roth verweist seit kurzem auf seiner Defi-Seite rein auf OSM (OpenAEDMap) und trägt auch selbst dazu bei.

Es ist manches erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.

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