OpenStreetMap

OSM Awards 2016 – Entscheidungshilfe

Posted by Nakaner on 13 September 2016 in German (Deutsch)

EDIT: Die englische Version dieses Blogeintrags ist jetzt auch online.

Wie stimmt man ab?

Man ruft awards.osmz.ru auf und wird meistens erst auf die OSM-Loginseite umgeleitet. Die Abstimmungsplattform wurde vom OSMF-Vorstandsmitglied Ilya Zverv (Zverik) geschrieben und ist auf seinem Server gehostet, daher nicht unter einer "offiziellen" openstreetmap.org-Subdomain. Durch den Login wird sichergestellt, dass jedes OSM-Benutzerkonto nur einmal abstimmt.

Die einzelnen Kategorien

Es gibt sechs Kategorien, die ich im folgenden erklären möchte.

Core Systems Award

Ungefähre deutsche Übersetzung: Preis für zentrale Dienste

Nominiert sind:

  • Grant Slater und Tom Hughes, welche Teil der Operations Working Group der OSMF sind und die zentralen Server des Projekts, die OSMF-eigenen Tileserver (tiles.openstreetmap.org) und diverse von der OSMF betriebene Dienste wie das Wiki, die Mailinglisten, OSM Help aber nicht das Forum, betreiben. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, leisten die beiden eine hervorragende Arbeit. Wann war der letzte, nicht geplante Ausfall, den sie zu verantworten hatten? Ich weiß es nicht. Sie tun das freiwillig!
  • Roland Olbricht hat die Overpass-API entworfen, entwickelt und ist ihr Betreuer (relevante Codebeiträge sind in neuerer Zeit auch von Dritten). Er ist zuständig für die deutsche Instanz der Overpass-API (overpass-api.de), welche vom FOSSGIS e.V. gesponsert wird.
  • Bryan Housel ist der Hauptentwickler des Onlineeditors iD. Als JOSM-Liebhaber und iD-Kritiker fällte es mir schwer, gute Worte für seine Arbeit zu finden. Wenn ich ihn nicht leiden kann, dann wegen einer gewissen Schwerhörigkeit in Taggingfragen.
  • Mateusz Konieczny ist ein Hauptbeitragender des Kartenstils OSM Carto, welcher auf www.openstreetmap.org prominent eingesetzt wird und von Dritten oft mit dem OSM-Projekt gleichgesetzt wird. Mateusz hat im Rahmen des Google Summer of Code 2015 die neuen, augenfreundlicheren Straßenfarben umgesetzt. Danke!
  • Sarah Hoffman ist die Hauptentwicklerin von Nominatim, dem einzigen Community-Geocoder auf OSM-Basis. (Es gibt noch weitere freie Geocoder, aber hinter diesen stecken Unternehmen) Sie ist wegen des Betriebs von nominatim.openstreetmap.org auch Mitglied der Operations Working Group. Ich bewundere ihren Kampf gegen die Windmühlen – Leute, die Nominatim missbrauchen und große Massen an Datensätzen zu geocodieren (Adressen in Koordinaten umwandeln).

Mir persönlich fällt die Auswahl hier schwer. Jeder hätte meine Stimme verdient, ich präferiere in dieser Kategorie Grant Slater und Tom Hughes, Roland Olbricht und Sarah Hoffmann.

Innovation Award

Deutsche Übersetzung: Innovationspreis

In dieser Kategorie stehen die Entwickler/Erfinder innovativer Werkzeuge zur Auswahl.

  • Yohan Boniface hat uMap begründet, das freie, OSM-basierte Äquivalent zu Google MyMaps
  • Das MapSwipe-Team wurde für die Entwicklung der App MapSwipe nominiert. Mit dieser App können Nicht-Mapper Luftbilder sichten und markieren, ob es dort mappenswerte Objekte gibt.
  • Das US-Amerikanische Rote Kreuz wurde für die Entwicklung von Portable OpenStreetMap vorgeschlagen. Mit dieser Software kann man vor Ort (in abgelegenen Regionen) mappen und anschließend die Daten nach Ende der Expedition in OSM hochladen. Konflikte löst POSM nicht auf. Es ist also für Leute, die gemeinsam auf eine Mappingexpedition gehen wollen.
  • Martijn van Exel wurde für seine Arbeit an MapRoulette vorgeschlagen. Dieses Qualitätssicherungswerkzeug wählt für den Benutzer einen Fehler aus vielen zufällig aus und lässt ihn von seinem menschlichen Benutzer lösen. Es ist bekannt für die Aufräumarbeiten nach dem TIGER-Import.
  • Manuel Roth und Lukas Martinelli haben OSM2Vectortiles entwickelt, das Vektortiles im Mapbox-Format zum Download anbietet. Sie haben die Prozesse, mit denen Mapbox diese Vektortiles prozessiert, transparent gemacht. Sie sind wohl so erfolgreich, dass Mapbox sie als Konkurrenten sieht und ein Mapbox-Anwalt freundlich (!) auf sie zuging.

In der Ankündigung der OSM Awards schrieb Ilya Zverv, dass in allen Kategorien mit Ausnahme des Ulf-Möller-Gedächtnispreises nur Projekt/Personen vorgeschlagen werden dürfen, die nach dem 1. August 2015 veröffentlicht wurden. Wendet man diese Regel auf diese Kategorie an, fallen Yohan Boniface und Martijn van Exel heraus. Ihre Innovationen sind älter.

Es verbleiben also OSM2Vectortiles und MapSwipe. MapSwipe ist zwar innovativ, nützt aber weniger OSM, sondern macht nur HOT effizienter. Bei OSM2Vectortiles kann man gewisse Parallelen zum Download-Server der Geofabrik erkennen – beide machen OSM leichter für Entwickler zugänglich, dafür ist aber der Nutzen für die Allgemeinheit in meinen Augen größer.

Influential Writing Award

Den Titel kann man je nach Lust und Laune vielfälig übersetzen, hier mal eine Auswahl: Preis für einflussreiches Schreiben, OSM-Bloggerpreis, OSM-Propagandapreis

In dieser Kategorie sind mehrere Mapper für ihre Benutzer-Blogs vorgeschlagen worden:

  • Edil Queiroz De Araujo
  • Joost Schouppe
  • Harry Wood

Zudem finden sich in dieser Kategorie Nick Allen (Tallguy) für seine Arbeit an LearnOSM und das Team der WeeklyOSM, was die Wochennotiz inkludiert.

Als Mitglied des Wochennotizteams kann ich jedoch sagen, dass die Arbeit an der WeeklyOSM/Wochennotiz deutlich mehr Zeit verschlingt als ein Blog, eine zentralere Bedeutung und eine größere Reichweite, auch über die Grenzen der OSM-Community hinaus, hat, habe ich, ohne zu zögern, meine Stimme mir selbst gegeben.

Greatness in Mapping Award

In dieser Kategorie geht es um herausragende Mappingleistungen. Zur Wahl stehen

  • ein Gruppe HOT-Mapper (Ramani-Huria-Team)
  • Nelson A. de Oliveira (naoliv), der um Qualitätssicherung in Brasilien bemüht ist,
  • UK Quarterly Mapping Team, das die Quartalsaufgaben (britisches Äquivalent zu unseren Wochenaufgaben) organisiert
  • Martin Ždila, der laut Kurzbeschreibung 1.4% aller weltweiten Wanderrouten in OSM abgelaufen ist (und 38% aller slowakischen) – irgendwie kann ich es nicht glauben, aber es wird hoffenlich warh sein
  • OSM Los Angeles Building Import Team

In dieser Kategorie weiß ich sehr schnell, wer sicher nicht meine Stimme bekommt – weder geht sie an das Ramani-Huria-Team noch an den Gebäudeimport in Los Angeles. Für das Ramani-Huria-Team habe ich bislang keine Gründe gefunden, warum ich diesem meine Stimme geben solle. Einzig und allein der Twitter-Account der SotM macht Werbung für diesen Kandidaten (was er nicht tun sollte). Auch Importe sollten keine Preise bekommen, „keine Schelte“ ist genügend Lob für einen Import. Der Gebäudeimport ist zudem noch recht frisch; einen Import sollte man erst nach ein paar Jahren loben. Übrig bleiben Martin Ždila, dessen Namen ich hier erstmals lese (was es mir schwer macht, ihm meine Stimme zu geben), die britischen Quartalsaufgaben und Nelson A. de Oliveira. Zwischen den letzten beiden fällt mir die Entscheidung schwer.

Expanding the Community Award

Der Preis in dieser Kategorie soll an Leute gehen, die sich für das Anwerben neuer Mapper engagiert haben.

  • Pascal Neis – für seine Werkzeuge
  • Ahasanul Hoque und Tasauf A Baki Billah
  • Courtney Clark
  • Kathmandu Living Labs – Mappercommunity aus Nepal, die auch schon vor dem Erdbeben aktiv war
  • Pete Masters

Von den genannten Namen habe ich bislang nur Pascal Neis und die Kathmandu Living Labs gehört. Pascals Werkzeuge schätze ich sehr, die Kathmandu Livings Labs konkurrieren ernsthaft bei mir um meine Stimme in dieser Kategorie. Die anderen drei kommen für mich nicht in Frage. Bei Ahasanul Hoque and Tasauf A Baki Billah ist der Text viel zu lang und ich kann mangels eigener Kenntnisse nicht bewerten, ob die "Leadership" der beiden nicht wirklich eine "Community_führung_" ist, etwas was eigentlich nicht zu den Grundsätzen von OSM passt.

Ulf Möller Memorial Award

Dieser Preis soll an den im Januar 2012 ermordeten Ulf Möller erinnern, der u.a. Mapper, Entwickler und OSMF-Vorstandsmitglied war. Die Idee zum Preis kam kurz nach seinem Tod auf, seither verlief sie im Sande. Die Beschreibung lautet:

The Ulf Möller Memorial Award will recognize an individual each year who improves OpenStreetMap through good mapping, benefit to the community and other improvements to the OpenStreetMap project.

Der Ulf-Möller-Gedächtnispreis wird jedes Jahr an eine Einzelperson vergeben, welche OSM durch gutes Mapping, gute Arbeit für die Community oder andere Verbesserungen für das OpenStreetMap-Projekt verdient gemacht hat.

In dieser Kategorie stehen zur Wahl:

  • Kate Chapman für die Mitbegründung von HOT und dafür, dass sie Entwicklungsländer mit OSM/HOT bekehrt
  • Harry Wood, für gutes Mapping, die Organisation eines Stammtisches und sein Engagement bei HOT
  • Frederik Ramm für seine Bemühungen um die Transparenz der OSMF, seine aufklärenden Antworten auf Mailinglisten, die zum Verständnis des OSM-Projekts beitragen und für seine zahlreichen Skripte
  • Nick Allen (Tallguy) – steht auch in der Kategorie Influential Writing Award zur Wahl
  • Richard Fairhurst als "Stimme der Vernunft" und Entwickler von Potlatch 1 und 2

Da ich LearnOSM sehr kritisch sehe (einseitig auf humanitäres Mapping fixiert, der Name ist dem Projekt nicht angemessen), fällt Nick Allen raus. Da „bringing OSM to a significant portion of the developing world“ in meinen Augen Kolonialismus ist, bleiben nur noch Frederik und Richard übrig. Auch wenn man JOSM liebt und die Webeditoren nicht mag, sollte man sich vor Augen halten, dass iD und Potlatch für viele Neulinge der erste Kontakt mit OSM sind und gerade Potlatch der deutschsprachigen Community beim Erstarken der Community in den Jahren 2007 bis 2010 viel geholfen hat. Für Frederik spricht sein unermüdlicher Einsatz für saubere Daten – ich bewundere ihn, wie viel Zeit er in die DWG-Arbeit steckt, um den Dreck anderer Leute aufzuräumen oder unvernünftige Streithähne zur Vernunft zu bringen.

Kritik an den OSM Awards

Mir persönlich missfällt, dass bei den OSM Awards das Mehrheitswahlrecht zur Anwendung kommt. Wer viele Anhänger mobilisieren kann, kann in einer Kategorie gewinnen, auch wenn der Kandidaten von allen anderen mit aller Schärfe abgelehnt wird.

Auch die Auswahl der Kandidaten erscheint mir persönlich in manchen Kategorien arg einseitig. Wo bitteschön ist die Legitimation von "einzelnen Mitgliedern der SotM Working Group der OSMF, der Communications Working Group der OSMF und des OSMF-Vorstands" sein? Wenn man die OSM Awards wirklich transparent und neutral machen will, wäre eine System bestehend aus Vorschlagsphase und zwei Wahlgängen (zweiter Wahlgang mit maximal fünf Kandidaten pro Kategorie) deutlich besser. Auch die Kurzbeschreibungen könnten etwas länger sein (aber maximal 80 Wörter – sonst muss man zu viel lesen).

Leider können wir daran jetzt nichts mehr ändern und sollten das Beste aus der Sache machen. Das heißt, GEHT WÄHLEN! Wenn ihr abstimmt, beeinflusst ihr das Ergebnis. Es kann nicht im Sinne der deutschen Community und des Grundgedanken des OSM-Projekts sein, wenn Sesselmapping (HOT) und Importe alle Preise abräumen. Der Preis hat Außenwirkung.

Comment from nebulon42 on 13 September 2016 at 19:39

Schöne Zusammenfassung. Ich persönlich bin der Meinung, dass ein OSM Award so unnötig wie sonst nur was ist. Ich habe aber trotzdem abgestimmt. Mich erinnert das ein bisschen an die Ränge und Abzeichen, die man in anderen Vereinen abräumen kann. Ich möchte niemandem Anerkennung vorenthalten und glaube, dass alle hier Genannten auf die eine oder andere Art Großes geleistet haben. Genauso haben aber auch viele Nichtgenannten Großes geleistet. Wer also irgendeinen Preis wo abräumt, ist mir vollkommen wurscht.

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Comment from zarl on 14 September 2016 at 07:10

Vielen Dank für die Einschätzungen und Kommentare zu den Awards an sich und den einzelnen Kandidaten. Ich hab das gleich mal mit meiner bereits getätigten Abstimmung (die ja bis Abstimmungsende editierbar bleibt) verglichen und war erstaunt, dass die Eingrenzung auf einige Kandidaten hier meiner eigenen Einschätzung sehr nah kommt. Zwei Voten "musste" ich jetzt aber nochmal ändern :-)

Solche Awards sind an sich nicht verkehrt, denn es gibt genug Menschen, die die Grundlagenarbeit im Hintergrund machen und ab und zu mal ein Dankeschön bekommen sollten. Allerdings sollte auch bei so einer Abstimmung auf transparenten, nachvollziehbaren Ablauf geachtet werden, deiner Kritik kann ich zustimmen.

Bleibt zu hoffen, dass noch mehr als die 567 bisherigen Stimmen abgegeben werden. Und der Kleber hält und so.

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Comment from Meillo on 21 September 2016 at 10:26

"Wenn man die OSM Awards wirklich transparent und neutral machen will, wäre eine System bestehend aus Vorschlagsphase und zwei Wahlgängen (zweiter Wahlgang mit maximal fünf Kandidaten pro Kategorie) deutlich besser."

Aber so (aehnlich) war es doch, oder? Es gab eine Vorschlagsphase, in der jeder Kandidaten einreichen konnte. Diese konnten dann bewertet werden. Daraus sind die jeweils fuenf nun zur Wahl stehenden Optionen entstanden. Natuerlich haette das alles transparenter und besser angekuendigt sein koennen, aber das ist fuer das erste Mal vielleicht nur normal.

Wichtig ist jedenfalls, dass zumindest jetzt darueber geschrieben wird. Darum danke fuer den Text.

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Comment from Nakaner on 21 September 2016 at 11:16

Hallo Meillo,

ich habe es in einem Kommentar zur englischen Version dieses Blogbeitrags gestern geschrieben und schreibe es gerne noch einmal: Es sieht demokratisch aus, ist es aber nicht. Zwar gab es die Vorschlagsphase, aber die endgültige Auswahl oblag einigen Leuten aus dem OSMF-Vorstand (nicht alle Mitglieder) und der SotM Working Group.

Viele Grüße

Michael

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