OpenStreetMap

Detailtiefe an Straßenkreuzungen

Posted by kreuzschnabel on 27 June 2016 in German (Deutsch)

Nehmen wir mal eine relativ einfache Landstraßenkreuzung, hier bei Oberems im Taunus. Kreuzung einfach gemappt Diese Kreuzung kommt ohne irnkwelche Spezialitäten aus, sie braucht keine Abbiegebeschränkungen, keine Einbahnstraßen, nichts. Sie sieht in der Karte vernünftig aus und wird auch in jedem Router einwandfrei funktionieren. Die Abbiegespuren auf der B8 sind getaggt, Fahrspurhinweise können also gegeben werden. Und daß man von der B8 schon 10 Meter vor der einklichen Kreuzung rechts abbiegen kann, wird jeder Fahrer vor Ort intuitiv erfassen, das muß sein Navi ihm nicht sagen.

Jetzt kommt aber ein eifriger Mapper daher und zeichnet die zwei Rechtsabbiegeverbindungen zusätzlich als highway=secondary_link ein. Das ist zunächst einmal gerechtfertigt, schließlich bilden sie aufgrund der Inseln eine baulich getrennte eigene Fahrbahn.

Das mag die Realität besser (im Sinne von präziser) wiedergeben. Aber mit den beiden Spuren ist es nicht getan. Jetzt muß man nämlich 1. die Abbiegespuren auf der B8 anpassen (die Rechtsabbiegespuren enden ja dort, wo die Abbiegebahnen beginnen). Dafür muss der Way hier aufgeteilt werden. Als nächstes muß der Kollege bei der Einmündung in die L 3023 das scharfe Linksabbiegen verbieten (Wendeverbot, ergibt sich aus der Sperrfläche) und auch hier den Way aufteilen als „to“ für die Abbiegebeschränkung. Dann muß am „Hauptkreuzungsnode“ das Rechtsabbiegen verboten werden, außerdem das scharfe Linksabbiegen aus der Gegenrichtung in die Rechtsabbiegerbahnen. Und das in beiden Richtungen. Voll ausgebaut sieht unsere Kreuzung so aus: Kreuzung einfach gemappt Im Vergleich zu Bild 1 haben wir hier:

  • 4 Nodes und 6 Ways mehr (davon 4 durch das Aufteilen der bestehenden Straßen)
  • 6 Relationen mehr (Abbiegebeschränkungen).

Aber das ist ja noch nicht alles. Jetzt kommt der übernächste Mapper und teilt die jeweils 12 Meter der L 3023 an den Verkehrsinseln in separate Ways auf (was so nicht OSM-konform ist, dafür gibt es nämlich traffic_calming=island, aber egal). Abgesehen davon, dass dann die separaten Ways gern spitzwinklig gemeinsam auf die B8 geführt werden (oder man hat man beim Wendeverbot ein Stück way in der via-Role), was dazu führt, daß ein Navi, das nach rechts auf die B8 abbiegen will, eine Richtungsänderung von deutlich über 90 Grad sieht (was falsch ist), braucht das nochmal einen Sack Abbiegebeschränkungen und Way-Aufteilungen.

Und da frag ich mich dann wirklich: Ist es das wert? Brauchen wir Kreuzungen so exakt? Die einfache im oberen Bild funktioniert nämlich auch.

Und präzisestes Kreuzungsmappen hat auch einen Nachteil: Der Pflegeaufwand steigt enorm. Immer an den nächsten Mapper denken, du wirst das vermutlich nicht selbst weiterpflegen. Wird in 10 Jahren eine Buslinie einmal umgelegt, muss man hier höllisch aufpassen, auch alle Richtungen richtig in die Busrelationen aufzunehmen – statt einfach die zwei Straßen im oberen Bild.

Mein Appell an alle Kollegen: Keep it simple. Unsere Datenbank ist komplex genug mit den Details, die rein müssen. Und bestimmt gibt es in eurer Nähe noch ein Fleckchen, wo Hausnummern fehlen. Die sind wichtiger, adreßgenaues Routen wird heute erwartet, auch von OSM-basierten Navi-Systemen.

–ks

Location: Oberems, Glashütten, Hochtaunuskreis, Regierungsbezirk Darmstadt, Hessen, 61479, Deutschland

Comment from flohoff on 27 June 2016 at 10:36

Da muss ich ganz entschieden widersprechen. Diese “Relevanzdiskussion” zum Thema “Detailtiefe” hat schon die Wikipedia kaputt gemacht. Wir sollten damit nicht anfangen.

Solange es Mapper gibt die das Pflegen wollen und können sollten wir das machen. Details schaden nicht so lange sie das große ganze nicht kaputt machen und das sehe ich hier mal gar nicht.

Comment from kreuzschnabel on 27 June 2016 at 11:09

Mir ist klar, daß man das so oder so sehen kann. Ich persönlich bin auch eher detailverliebt, in meiner Gegend fehlt kein Mülleimer und keine Sitzbank. Das sind Details mit Nutzen.

Das mit den Kreuzungen ist für mich aber auch eine Frage der Priorität. Deshalb meine Schlußbemerkung über die Hausnummern. Seit es dutzendweise Navi-Apps gibt, die mit OSM arbeiten, ist OSM kein reines Nerd-Projekt mehr, sondern es werden Erwartungen gestellt. Wir sollten uns erstmal auf das konzentrieren, was den Nutzwert der Datenbank erhöht. Wenn ich Bekannten zeige, daß OsmAnd mir jederzeit den Weg zum nächsten Mülleimer zeigen kann, sind sie beeindruckt. Dann probieren sie es selbst und finden in ihrer Straße nicht mal Hausnummern → Begeisterung weg.

Solange noch in ganzen Straßenzügen (nicht nur in Hintertupfingen, auch in Städten) nicht mal Gebäude stehen, von Hausnummern ganz zu schweigen, hat kein Mensch etwas davon, wenn an allen Fußgängerüberwegen die Streifen mit Länge, Breite, Abstand, Material, Schichtdicke und RAL-Farbe gemappt sind.

Und wo immer irnkeine Autozeitschrift OSM-Navisysteme testet, wird die lückenhafte Adressenabdeckung bemängelt. Das sollten wir in der Priorität hochsetzen, um OSM eine bessere Presse zu geben, statt uns in Kreuzungsdetails zu verlieren.

–ks

Comment from MKnight on 27 July 2016 at 22:54

Ohne Dir widersprechen zu wollen:

Das sind Details mit Nutzen. 

DAS ist Quark, bzw. dehnbar. Jeder sieht irnkwo (scnr) anders einen Nutzen oder “Un”nutzen. Die Debatte(n) (bzw. was flohoff anmerkt, die unsägliche Relevanzdiskussion) über nützliche Daten sind imho schädlich, weil sie (u.U.) Leute davon abhalten, Dinge zu mappen, die sie wenn nicht unbdingt nützlich, so doch interessant finden.

Ich finde bspw. Mülleimer und Sitzbänke nicht so interessant, ich hab ne Sitzbank auf meinen Mopeds. Ich finds aber auch meist dufte, wenn Leute das mappen. In der Zeit kann ich Abbiegespuren malen.

tl:dr: jeder soll mappen, was er für richtig hält. (solang es stimmig ist)

Comment from kreuzschnabel on 10 April 2017 at 17:59

Der Zahn der Zeit … jetzt erwische ich mich auch schon beim Kreuzungs-Ausbau!

–ks

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